Richter: Menschen eint Sehnsucht nach einem guten Leben

Richter: Menschen eint Sehnsucht nach einem guten Leben

Richter: Menschen eint Sehnsucht nach einem guten Leben

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Richter: Menschen eint Sehnsucht nach einem guten Leben

Wien (epdÖ) – In einem großen Interview in der aktuellen Ausgabe des Magazins „NEWS“ spricht Cornelia Richter über den Zusammenhalt in der Gesellschaft, die historische Rolle der Kirchen, aber auch über Ängste im Hinblick auf Klimawandel und Künstliche Intelligenz.

Was uns zusammenhält – und was Kirche heute leisten kann

Was eint uns heute noch? „Ich glaube, alle Menschen möchten ein gutes, ruhiges, harmonisches Leben führen“, sagt Richter im Gespräch mit Renate Kromp. Viele hätten das Bedürfnis nach Nähe, einem vertrauten Umfeld und Sicherheit. In der Kirche könne Einheit weiterhin gelingen, ist sie überzeugt: Dort kämen sehr unterschiedliche Menschen zusammen, weil sie Fragen nach Sinn, Halt und Gott teilen. „In lebendigen Kirchengemeinden sind Menschen nicht einsam“, betont die Bischöfin.

Dass die gesellschaftliche Bedeutung der Kirchen seit einigen Jahren abnehme, erklärt Richter mit demografischen und historischen Entwicklungen. Junge Menschen hätten heute viel mehr Angebote, die Kirchen hätten dadurch ihre frühere kulturelle Sonderstellung verloren. Über Jahrhunderte sei die Kirche in vielen Regionen ein zentraler Ort von Gemeinschaft und Orientierung gewesen – über soziale Grenzen hinweg.

Klöster, Bildung, Soziales – warum das auch als Erfolgsgeschichte gelesen werden kann

Zur historischen Bedeutung des Christentums verweist Richter auf Klöster sowie auf Sozial- und Bildungswesen. Klöster seien große Wirtschaftsbetriebe gewesen und – vor heutigen Universitäten – frühe Orte von Wissenschaft. Auch das Sozialwesen gehe auf frühe christliche Fürsorge für Witwen und Waisen zurück, die nicht nur der eigenen Gruppe gegolten habe. Richter erinnert dabei an den Bibelsatz: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Auch Schulen hätten christliche Wurzeln, viele seien aus Klöstern entstanden.

Dieses Wirken sei später eigenständig geworden und „in die Welt hinausgegangen“. Dass Kirchen dadurch kleiner wirken, müsse man nicht nur als Verlust sehen, meint Richter: Man könne es auch als Erfolg verstehen – „das alles war so gut, dass es die anderen auch wollten“.

Kritisch blickt Richter auf die Zeit der Aufklärung: Ein großer Fehler sei gewesen, dass Kirchen sich damals konservativ dagegen gestellt hätten, sodass Freiheits- und Menschenrechte als Gegensatz zur Kirche erschienen – obwohl sie auch christlich geprägt seien. Zudem hätten sich Kirchen zu sehr auf ihre frühere Sonderstellung verlassen und gesellschaftliche Veränderungen verschlafen.

Zugleich verweist Richter darauf, dass die römisch-katholische Kirche in Teilen Lateinamerikas und Asiens wachse, etwa durch Befreiungstheologien. Um das Christentum müsse man sich daher nicht sorgen, sagt sie. Die frühe christliche Botschaft „Du bist wichtig, du bist ein freier Mensch“ habe bis heute Kraft – und könne Machthaber noch immer herausfordern.

Klimawandel und KI – Hoffnung, aber auch klare Warnungen

Beim Klimawandel spricht Richter von einer „Tragik des Christentums“: Der Satz „Macht euch die Erde untertan“ sei lange als Freibrief zur Ausbeutung verstanden worden. Später hätten Kirchen dies als Fehlinterpretation erkannt und in den 1970er-Jahren – nach Berichten des Club of Rome – die Umweltbewegung mit angestoßen. Aufgeben sei angesichts der Lage „keine Alternative“, sagt Richter, sie traue der Menschheit viel zu.

Zum Thema Künstliche Intelligenz sagt Richter, sie mache ihr „richtig Sorgen“, weil sie KI schwer einschätzen könne. Es gebe zwar Vorteile, etwa in der Medizin. Gleichzeitig warnt sie vor gesellschaftlicher Verwirrung und einer „katastrophalen“ Vermischung von Fakten und erfundenen Inhalten.


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