21/10/2026 0 Kommentare
20.000 Protestanten vertrieben – und eine winzige Tafel erinnert daran!
20.000 Protestanten vertrieben – und eine winzige Tafel erinnert daran!
# Neuigkeiten

20.000 Protestanten vertrieben – und eine winzige Tafel erinnert daran!
SALZBURG – 295 Jahre nach dem Vertreibungsbefehl bekommt ein dunkles Kapitel der Salzburger Geschichte endlich einen sichtbaren Platz. Doch wer die neue Gedenktafel entdecken will, muss genau hinschauen.
Es ist ein kleines Stück Stein mit einer gewaltigen Geschichte. Am 31. Oktober 2026 wird um 16 Uhr im Salzburger Dombogen zur Franziskanergasse eine Gedenktafel enthüllt. Sie erinnert an rund 20.000 evangelische Christen, die 1731/32 ihre Heimat verlassen mussten. Ihr Vergehen: Sie hielten an ihrem Glauben fest.
Vertrieben, weil sie evangelisch waren!
Am 31. Oktober 1731 erließ Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian das berüchtigte Emigrationspatent. Wer evangelisch war und seinem Glauben nicht abschwören wollte, musste gehen.
Besonders hart traf es die Menschen im Pongau und Pinzgau, darunter zahlreiche Familien aus dem Raum Bischofshofen. Bauern, Handwerker und ganze Familien verloren ihre Heimat. Viele mussten ihren Besitz zurücklassen, manche wurden von ihren Kindern getrennt. Tausende fanden schließlich in Preußen Zuflucht.
Die Vertreibung zählt zu den größten konfessionell begründeten Zwangsmigrationen im Europa des 18. Jahrhunderts.
Ein kleiner Sieg nach fast 300 Jahren
Dass nun unmittelbar beim Salzburger Dom an dieses Unrecht erinnert wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Dem Salzbund ist es gelungen, die Gedenktafel anzubringen. Besonderer Dank gebührt Dr. Vegh, die sich unermüdlich für dieses sichtbare Zeichen der Erinnerung eingesetzt hat.
Am Reformationstag wird die Tafel unter Beteiligung von Superintendent Olivier Dantine feierlich enthüllt. Das Datum hat historische Bedeutung: Genau 295 Jahre zuvor wurde der Vertreibungsbefehl erlassen.
20.000 Vertriebene. Eine Tafel. Und kaum jemand wird sie sehen.
Denn wer ein weithin sichtbares Denkmal erwartet, wird enttäuscht. Die neue Gedenktafel hängt unscheinbar im linken Dombogen, wenn man von der Franziskanergasse kommt. Zwischen mächtigen Steinpfeilern, Hinweisschildern und dem täglichen Strom der Besucher geht sie beinahe unter. Man muss wissen, dass sie dort hängt. Sonst läuft man an ihr vorbei.
Gewiss: Die Tafel ist ein Erfolg. Sie erinnert mitten im historischen Zentrum Salzburgs an Menschen, deren Glauben einst keinen Platz in diesem Bundesland haben durfte. Doch ihre bescheidene Größe und ihr versteckter Standort werfen eine unbequeme Frage auf: Welchen Stellenwert hat die Erinnerung an das Unrecht, das den Salzburger Protestanten angetan wurde? Während der Salzburger Dom bis heute weithin sichtbar das Stadtbild prägt, bleibt die Geschichte der vertriebenen Evangelischen im öffentlichen Raum nahezu unsichtbar.
Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.
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